Ben

Neulich in der Münchner Müllerstraße hat mich plötzlich eine dieser Botschaften angeschrien, die vermutlich um drei Uhr nachts mit zwei Promille entstanden ist. Mit wenig Liebe zum Detail hat jemand „Fick Ben“ an die Hauswand geschrieben.
Eigentlich wollte ich direkt genervt sein, dachte dann aber: Warum nicht was Nützliches draus machen? Zum Beispiel eine kleine Kontemplation zum Thema Kommunikation?

Da Ästhetik bei der Kreation ganz offensichtlich eine untergeordnete Rolle gespielt hat, wird man unmittelbar auf den Inhalt der Botschaft gelenkt und somit auf die Frage: Was wollte der Absender eigentlich sagen? Zwei Lesarten sind möglich.

Lesart 1: Die Empfehlung
Rein vom grammatikalischen Standpunkt aus liest sich die Botschaft wie eine Aufforderung. Vielleicht ist Ben ein hervorragender Liebhaber und jemand möchte ihn gerne weiterempfehlen? Den geneigten Leser stellt das vor die Frage: Wer genau ist Ben? Wie soll sie oder er, unter all den Bens im Glockenbachviertel, den Ben mit den speziellen Qualitäten identifizieren? Und, da auch nicht klar ist, von wem diese Empfehlung stammt: Lohnt es sich wirklich, Zeit und Arbeit in die Suche zu investieren?

Lesart 2: Die Hassbotschaft
Vielleicht handelt es sich aber auch um den eher klassischen Fall und jemand möchte Ben zu verstehen geben, dass er sich total daneben benommen hat? Dann müsste die Nachricht streng genommen „Fick dich, Ben“ lauten. Abgesehen von der fehlerhaften Grammatik bleibt aber auch offen: Warum sollte sich irgendein spezieller Ben schämen, wenn jeder gemeint sein könnte? Vielleicht weiß Ben nicht mal, dass er Mist gebaut hat? Und wer hasst ihn so, dass er motiviert ist, jeden mit reinzuziehen, der nicht mit geschlossenen Augen durch die Stadt läuft?

Was lernen wir daraus?
Wenn du mit deinen Inhalten die richtigen Menschen erreichen willst, stell klar, wer du bist. Formuliere deine Botschaft eindeutig. Achte auf korrekte Grammatik – denn sie ist nicht nur ein Hygienefaktor, sondern kann auch echte Verwirrung vermeiden. Und: Steck auch Herzblut in die Optik. Besonders im öffentlichen Raum.

Trauriges Beispiel für schlechte Kommunikation. Dabei hätte der Absender so viel mehr aus seinem Thema machen können.